Redesign

Jasmin Hess
Redesign beinhaltet normalerweise, einem veralteten Produkt ein neues, zeitgemäßes Gesicht zu geben. Also ein ganz schön kecker Gedanke von Jasmin Hess, Schmuck von zeitgenössischen (!) Designern zu nehmen und sie einem Redesign zu unterwerfen. Für ihr Projekt hat sie die Bilder von 16 Schmuckstücken zeitgenössischer Schmuckdesigner in das Computerprogramm Sticken 2.0 geladen und dort zu einer Stickvorlage umgewandelt. Die so entstandenen Stickvorlagen wirken wie grob aufgelöste Graphiken, in denen die Stiche Pixeln entsprechen. Die Stickvorlage überträgt sie auf ein Gewebe und spannt sie anschliessend in einen Holzrahmen. Jetzt fehlt nur noch die Broschierung, und fertig ist das neue Schmuckstück. Ähnlichkeiten mit dem Original sind nur noch Eingeweihten ersichtlich und entlocken ein fröhliches Schmunzeln.
Ich liebe Objekte, die erst auf den zweiten Blick ihre Geheimnisse enthüllen und etwas Zeit und Aufmerksamkeit fordern, um sie zu verstehen. Nicht einfach nur ein hübsches Stück Schmuck ist das Ziel, sondern ein Schmuckstück mit Geschichte, Hintergrund und Charakter. Laut Jasmin Hess hatten fast alle Gestalter genügend Humor, um die Verfremdung und das Redesign ihres Schmuckes toll zu finden.
Es ist ja auch ein schönes Kompliment, wenn das eigene Stück zu einer Weiterführung anregt. Vor allem, wenn das Redesign nicht in eine blasse, uninspirierte Kopie mündet, sondern zu einem völlig neuen Ansatz und einem eigenständigen Werk führt. Jasmin Hess ist frech und witzig genug, statt veraltete Produkte in die Gegenwart zu holen, gegenwärtigen Schmuck mit einem avantgardistischen Gedanken in die Zukunft zu katapultieren.

Bruna Hauert