Aus dem Körper für den Körper

Li-Chu Wu
Das erste Mal habe ich Li-Chu Wu’s Papierobjekte im März 2011 an der Ausstellung TALENTE in München gesehen und war hingerissen. In ihrer Arbeit dreht sich alles um Papier und Schichten (vielen Schichten!), die in konzentrischen Mustern aus gezielt ausgewählten Farben angeordnet sind, um subtile Bewegung und haptische Qualitäten zu schaffen. Mit teils zarten, teils kräftigen Eingriffen manipuliert sie die Schichtung und ermöglicht uns so einen Blick in den vielschichtigen Kosmos der möglichen Formen, Farben und Strukturen, die durch ihre Eingriffe offen gelegt werden. Mich faszinieren ihre Linien, die sich ihren Weg durch die vielen Schichten farbigen Papiers suchen und Formen Raum und Leben geben, um aus dem Innenraum zu quillen und sich zu entfalten und entblössen. Mit Erstaunen sehe ich all die organischen Formen aus dem ehemals so still und friedlich ruhendem Material wuchern. Die Bewegung ist nicht mehr zu stoppen. Li-Chu Wu ist sehr von der Natur inspiriert und schreibt: "Die Natur präsentiert ihre Schönheit durch Pflanzen, Steine und Landschaften. Meiner Meinung nach kann Papier stark genug sein, um schwere Gegenstände zu tragen, es ist aber auch zerbrechlich genug, um leicht zu reißen. Diese Idee inspiriert mich, Papier mit einer soliden organischen Form zu kombinieren. Ich versuche, natürliche Materialien zu verwenden, um das Gefühl der Natur zu präsentieren. Reine und organische Elemente offenbaren ihre Werte in meinen Arbeiten. "

Li-Chu Wu’s organische Papierobjekte schlagen eine Brücke zwischen dem Material Papier und seiner ursprünglichen Quelle in der Natur. Silber und Gold rahmen und stützen die grazilen Objekte aus dem ursprünglichen Körper und lassen sie auch als Schmuckobjekte an unseren Körpern erblühen. Kein Wunder, sind ihre Arbeiten in diversen Ausstellungen, Publikationen und Museen zu sehen. Und ab Dezember 2012 glücklicherweise auch in der Ausstellung Ho!Ho!Ho! bei Friends of Carlotta!

Bruna Hauert